Kurzüberblick zum Kauf und Erwerb einer Immobilie in Griechenland durch EU Bürger oder juristische Personen mit Sitz in der EU

Bitte beachten Sie, dass für Richtigkeit und Aktualität der hier veröffentlichten Informationen keinerlei Haftung übernommen werden kann und dass die hiesigen Informationen keinesfalls eine Beratung im Einzelfall ersetzen können. Bearbeitungsstand: Oktober 2008.

Das Interesse aus dem deutschsprachigen Raum an Immobilien in Griechenland ist seit jeher groß. Aus dem privaten Bereich richtet es sich überwiegend auf Ferienimmobilien. Beliebte Regionen sind Kreta, Pilion, Chalkidiki, die Region um Egio u.a.; in den letzten Jahren auch immer häufiger zum Zweck der ganzjährigen Nutzung als Alterssitz.

Daneben hat sich in jüngster Zeit auch ein erhebliches gewerbliches Interesse an Immobilien entwickelt. Beispielhaft sind hier die Unternehmen Aldi, Lidl, IKEA und die Metro AG (Media-Saturn-Holding GmbH, Media Markt und Saturn) zu nennen, die allesamt in Griechenland expandieren und hierbei überwiegend den Immobilienkauf gegenüber der Anmietung vorziehen.

Anläßlich der grundlegenden rechtlichen und steuerlichen Änderungen betreffend den Immobilienerwerb und das Immobilieneigentum in Griechenland (Stichworte: Mehrwertsteuer, Grundsteuer, Katasteramt und zukünftige Möglichkeit gutgläubigen Erwerbs), sollen folgend die Voraussetzungen und Besonderheiten des Eigentumserwerbs in Griechenland unter Berücksichtigung der Neuerungen und der steuerrechtlichen Aspekte dargestellt werden.

 



Auswahl der Immobilie

Gewerbeimmobilie, Investitionsobjekt, Ferienhaus, Etagenwohnung, Bauland... so unterschiedlich die Immobilienobjekte sein können, so unterschiedlich sind auch die für Immobiliensuche und Kaufentscheidung im Einzelfall relevanten Kriterien. Neben den offensichtlichen Kriterien wie Lage, Größe, Bausubstanz und Preis, sind für eine erste Orientierung stichpunktartig - abhängig von Zweck und Art des Immobilienerwerbs - folgende Umstände und Eigenschaften zu nennen, die für die Suche und Kaufentscheidung maßgeblich sein könnten:

- Gewerbeimmobilie: Zulässigkeit bzw. Erlaubnispflichtigkeit der im Einzelfall beabsichtigten gewerblichen Nutzung, Besonderheiten hinsichtlich einer Baugenehmigung, Besteuerung des Grundeigentums bei gewerblicher Nutzung, Konkurrenzunternehmen.

- Investitionsobjekt: Erwerbs-, Erhaltungs- und Veräußerungskosten, insbesondere auch Erwerbsnebenkosten und zu erwartende Steuerlast für institutionelle Anleger bzw. Privatpersonen.

- Ferienhaus: Klare Eigentumsverhältnisse (in kleinen Gemeinden oder auch auf Inseln ist es nicht selten so, dass Immobilien über Generationen weitervererbt wurden, ohne dass eine Eintragung im Hypothekenamt erfolgte, die Dorfgemeinde wusste ja, wem es gehört), Verkehrsanbindung (Erreichbarkeit auf dem Luft- und Wasserweg, im Winter werden beispielsweise viele Flug- und Schiffsverbindungen zu Inseln eingestellt oder eingeschränkt), Wasserversorgung (die ausreichende Wasserversorgung ist nicht immer sicher), eventuell zu erzielende Mieteinnahmen, zu erwartende Steuerlast.

- Etagenwohnung oder Stadtwohnung: Bauvorhaben in der Nachbarschaft, Verhältnisse in der Eigentümergemeinschaft, öffentlich-rechtliche Nutzungsmöglichkeiten, in der Nachbarschaft eventuell noch nicht ausgenutzte Änderung (Erhöhung) der zulässigen Geschosszahl.

In bereits seit Jahrzenten gewachsenen Stadtvierteln, in welchen lange Zeit die zulässige Geschosszahl auf beispielsweise vier begrenzt war, kann eine Eigentumswohnung im sechsten Stock eines nach Änderung der zulässigen Geschosszahl neu und höher errichteten Wohnhauses attraktiv und preiserhöhend sein. Hier ist aber nicht auszuschließen, dass ein Nachbarhaus abgerissen und ebenfalls sechsstöckig - oder gar höher - neu errichtet wird.

- Bauland: Erschließungskosten (Straßenanbindung, Elektrifizierung, Wasserversorgung), Voraussetzungen für eine Baugenehmigung, Umfang einer Baugenehmigung.

In die engere Auswahl fallende Immobilien sollten frühzeitig im Hinblick auf die jeweils in Betracht kommenden Kriterien überprüft werden. Sofern die Dienste eines Maklers in Anspruch genommen werden, sollten diesem diesbezüglich bereits klare Vorgaben gemacht werden.

Sowohl auf Seiten des Verkäufers, wie auch auf Seiten des Käufers werden in Griechenland meist die Dienste eines Immobilienmaklers in Anspruch genommen. Die üblichen Maklergebühren liegen bei 2% des Werts der Immobilie, die Maklercourtage ist Verhandlungssache. Meist lassen sich Immobilienmakler einen schriftlichen Auftrag erteilen (regelmäßig ein vorgedrucktes Formular). Die schriftliche Auftragserteilung dient vor allem  Beweiszwecken. Auch ein mündlich erteilter Auftrag ist wirksam.

Besteuerung von Immobilien in Griechenland

Die Immobilienübertragung war in Griechenland bislang mit erheblichen Steuern und Abgaben belastet, von der Grunderwerbssteuer bis zur Abwasserkanalanschluss- und Nutzungsgebühr sind - derzeit noch - mehr als 40 Steuern und Gebühren denkbar, die bei Erwerb, Besitz und Verkauf einer Immobilie anfallen können.

"Derzeit noch", weil mit dem Gesetz 3427/2005 und anderen Regelungen die Besteuerung von Immobilien in Griechenland kürzlich grundlegend reformiert wurde. Ziel ist eine Entlastung und Vereinfachung der Besteuerung, weg von pauschaler prozentualer Besteuerung des Verkaufswerts, hin zu einer Besteuerung der Wertentwicklung des Eigentums. Insgesamt wird die Steuerlast für Immobilienübertragungen dadurch sinken, die Besteuerung wird sachgerechter. Im Einzelnen sind die Neuerungen in der Folge bei den jeweiligen Steuerarten dargelegt. Nachteil der Reform ist, dass noch über Jahre ein duales System herrschen wird, Besteuerung entweder nach altem oder nach neuem Recht, abhängig davon, wann die zu übertragende Immobilie in das Eigentum des Veräußerers gelangt ist, also einzelfallabhängig. Auch hierzu in der Folge mehr.

Die geläufigsten Steuern und Gebühren lassen sich aus Sicht des Eigentümers chronologisch in drei Kategorien einteilen: Anfall bei Erwerb der Immobilie, Anfall während des Eigentums, Anfall bei Verkauf der Immobilie oder sonstiger Übertragung des Eigentums.

Bei Erwerb anfallende Steuern und Gebühren

Als bei Erwerb einer Immobilie in Griechenland im Wesentlichen in Frage kommende Gebühren und Steuern sind die Grunderwerbssteuer (Φ.Μ.Α.), die Steuer wegen automatischer Wertsteigerung (Φ.Α.Υ.), die Übertragungsgebühr (Τέλος Συναλλαγής Ακινήτων) und die Mehrwertsteuer (Φ.Π.Α.) zu nennen.

Φ.Μ.Α. = Φόρος Μεταβίβασης Ακινήτων (Grunderwerbssteuer)

Als Ergebnis der Reform der Immobilienbesteuerung wurde die Grunderwerbssteuer durch den griechischen Gesetzgeber abgeschafft, allerdings nur in Raten:

Sie fällt nicht mehr an, wenn eine Immobilie übertragen wird, die durch den Veräußerer nach dem 01.01.2006 erworben wurde. In diesem Fall unterliegt die Übertragung nicht der Grunderwerbssteuer, sondern der "Steuer wegen automatischer Wertsteigerung" und der "Übertragungsgebühr". Dies ergibt sich aus Art. 21 Nr. 6 und aus Art. 2 Nr. 1 des Gesetzes 3427/2005 (Gesetzestext in griechischer Sprache), in welchen es heißt:

Art. 21 Nr. 6: "Μεταβιβάσεις υποκείμενες σε φόρο αυτομάτου υπερτιμήματος δεν υπόκεινται σε φόρο μεταβίβασης ακινήτων (Φ.Μ.Α.)."

"Übertragungen, die der Besteuerung wegen automatischer Wertsteigerung unterliegen, unterliegen nicht der Grunderwerbssteuer".

und

Art. 2 Nr. 1: "Επί ακινήτου ή ιδανικού μεριδίου αυτού ή εμπράγματου δικαιώματος επί ακινήτου ή ιδανικού μεριδίου αυτού που αποκτάται με οποιαδήποτε αιτία μετά την 1.1.2006 και μετά την κτήση αυτή μεταβιβάζεται περαιτέρω με επαχθή αιτία, επιβάλλεται φόρος αυτομάτου υπερτιμήματος (Φ.Α.Υ.) στη διαφορά μεταξύ της τιμής κτήσης αυτού και της τιμής πώλησής του. Ως κτήση του ακινήτου νοείται η αγορά ή η με άλλη αιτία κτήση του, ανεξάρτητα από τη μεταγραφή της."

"Im Fall des Erwerbs einer Immobilie oder eines ideellen Teils hieran oder eines dinglichen Rechts an einer Immobilie oder an einem ideellen Teil einer Immobilie, der aus jedwedem Rechtsgrund nach dem 01.01.2006 erfolgte und in der Folge entgeltlich weiterveräußert wird, wird Steuer wegen automatischer Wertsteigerung auf die Differenz zwischen Erwerbspreis und Weiterveräußerungspreis erhoben. Als Erwerb einer Immobilie in diesem Sinne ist der Kauf oder anderweitige Erwerb gemeint, unabhängig von der Art der Überschreibung."

Es werden also noch viele Jahre vergehen, in denen entweder die Grunderwerbssteuer oder die Steuer wegen automatischer Wertsteigerung erhoben werden, abhängig davon, wann der Veräußerer einer Immobilie diese seinerseits erworben hat (vor oder nach dem 01.01.2006).

Wurde eine Immobilie oder ein dingliches Recht durch den Veräußerer also vor dem 01.01.2006 erworben, ist bei der Weiterveräußerung Grunderwerbssteuer zu zahlen:

Befreiung von der Grunderwerbssteuer

Nach Art. 1 des Gesetzes 1078/1980 ("Περί απαλλαγής εκ του φόρου μεταβιβάσεως ακινήτων της αγοράς πρώτης κατοικίας...", zuletzt geändert durch Art. 3 Satz 4 des Gesetzes 3634/2008) ist der Kauf einer Immobilie bis zu einer Größe von 200 m2 unabhängig vom Wert der Immobilie von der Grunderwerbssteuer befreit, wenn es sich bei der Immobilie um die erste Wohnimmobilie des Erwerbers handelt und dieser entweder verheiratet ist oder wenigstens ein Kind hat, für das er das Sorgerecht hat.

Weitere Voraussetzungen sind, dass keine für die Wohnbedürfnisse der Familie ausreichende Immobilie im Eigentum eines Familienangehörigen vorhanden ist und dass die von der Grunderwerbssteuer befreite Immobilie wenigstens 5 Jahre nicht weiterveräußert wird.

Die grunderwerbssteuerfreie Größe erhöht sich jeweils um 25 m2 für das dritte und jedes weitere minderjährige Kind, sofern der Immobilienerwerber das Sorgerecht innehat.

Wenn die Größe der Immobilie die Freigrenze überschreitet, unterfällt nur die über die Freigrenze hinausgehende Größe der Grunderwerbssteuer.

Diese Befreiung wird nach der gesetzlichen Regelung nur griechischen Staatsbürgern gewährt, die in Griechenland leben,  unter bestimmten Voraussetzungen auch griechischen Staatsbürgern, die im Ausland leben. Es sind aber zum einen schon Fälle bekannt, in welchen die Befreiung von den zuständigen Finanzämtern auch Ausländern gewährt wurde, zum anderen hat die Europäische Kommission den griechischen Gesetzgeber aufgefordert, die entsprechende Regelung wegen Verstoßes gegen das Diskriminierungsverbot und wegen rechtswidriger Einschränkung der europäischen Niederlassungsfreiheit zu ändern. Hier bleibt abzuwarten, was geschieht.

Τέλος Συναλλαγής Ακινήτων (Übertragungsgebühr)

Die sogenannte "Übertragungsgebühr" wurde im Zuge der Reformierung der Immobilienbesteuerung durch das Gesetz 3427/2005 eingeführt.

Sie fällt an, wenn Eigentum (oder ein vergleichbares Recht) an einer Immobilie nach dem 1.1.2006 erworben wurde (gleich, auf welche Art) und dieses Eigentum dann entgeltlich weiterveräußert wird.

Besteuert wird der objektive Wert der Immobilie oder des dinglichen Rechts. Steuerschuldner ist der Erwerber der Immobilie. Die Übertragungsgebühr fällt in Höhe von 1% des über einen eventuellen Freibetrag hinausgehenden Werts einer Immobilie an.

Befreiungen von der Übertragungsgebühr

Von der Übertragungsgebühr befreit sind unter anderem:

Φ.Α.Υ. = Φόρος Αυτόματου Υπερτιμήματος (Steuer wegen automatischer Wertsteigerung)

Die Steuer wegen automatischer Wertsteigerung fällt in Griechenland ausschließlich dann an, wenn das Eigentum (oder ein vergleichbares Recht) an einer Immobilie nach dem 1.1.2006 erworben wurde (gleich, auf welche Art) und danach entgeltlich weiter veräußert wird. Sie ersetzt insofern die Grunderwerbssteuer. Besteuert wird - wie der Name schon sagt - die Wertsteigerung, also die Wertdifferenz zwischen Erwerb und Weiterveräußerung. Steuerschuldner ist der Verkäufer der Immobilie.

Die Steuer wegen automatischer Wertsteigerung beträgt

Befreiungen von der "Steuer wegen automatischer Wertsteigerung"

Von der Besteuerung wegen automatischer Wertsteigerung befreit sind unter anderem:

Φ.Π.Α. = Φόρος Προστιθέμενης Αξίας (Mehrwertsteuer)

Im Fall der entgeltlichen und gewerbsmäßigen Veräußerung einer neu errichteten Immobilie, für welche die Baugenehmigung ab dem 01.01.2006 erteilt wurde, ist durch das Bauunternehmen Mehrwertsteuer in Höhe von derzeit 19% zu zahlen.

Während des Eigentums anfallende Steuern

Der Eigentümer einer Immobilie oder eines dinglichen Rechts wird in Griechenland im Wesentlichen mit der neu eingeführten jährlichen Grundsteuer (Ε.Τ.ΑΚ.) - im Fall der Vermietung auch mit Einkommenssteuer (φόρος εισοδήματος) - belastet. Hier ist unter Umständen das Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung zu beachten. Schließlich fällt auch jährlich eine Kommunalgebühr auf Immobilien an (Τ.Α.Π., Τέλος Ακίνητης Περιουσίας), welche im Regelfall über die Stromrechnung eingezogen wird.

Ε.Τ.ΑΚ. = Ενιαίο Τέλος Ακινήτων (Grundsteuer)

Auch in Griechenland gibt es seit neuestem eine Grundsteuer (Substanzsteuer), die jährlich auf das Immobilieneigentum erhoben wird. Für natürliche Personen beläuft sie sich auf  0,1 % des objektiven Werts der Immobilie, mindestens aber 1 Euro pro Quadratmeter. Diese Mindesthöhe ergibt sich aus dem Umstand, dass der griechische Gesetzgeber kurzerhand festgelegt hat, dass in ganz Griechenland keine (steuerlichen) Mindestwerte pro Quadratmeter akzeptiert werden, die unter 1000,- EUR liegen. Sachlich ist das Unsinn, es gibt unzählige Landstriche, in denen 1000,- EUR/m2 weit über dem Marktwert liegen.

Im Jahr 2008 gilt wegen der Neueinführung der Grundsteuer noch folgende Besonderheit: Es wird grundsätzlich die Immobilie mit dem höchsten objektiven Wert bis zum Wert von 300.000,- Euro von der Grundsteuer befreit, unabhängig davon, wie groß die Immobilie ist und unabhängig davon, ob diese Immobilie neben anderen die Hauptwohnung ist.

Ab 2009 wird der Freibetrag dann ausschließlich für die Immobilie gewährt, welche der Steuerpflichtige gegenüber dem Finanzamt als "Hauptwohnung" erklärt.

Juristische Personen zahlen 0,6 % des Werts der Immobilie jährliche Grundsteuer, mindestens aber 1 Euro pro Quadratmeter. Sofern die Immobilie von der juristischen Person selbst genutzt wird (Firmensitz, Lager), beträgt die Grundsteuer nur 0,1 % des objektiven Werts der Immobilie.

Von der Grundsteuer befreit ist eine Immobilie bis zum objektiven Wert von 300.000,- Euro, wenn es sich hierbei um die Hauptwohnung des Steuerpflichtigen handelt und diese Hauptwohnung nicht größer als 200 m2 ist. Für den über 300.000,- Euro hinaus gehenden Wert oder für die über 200 m2 hinaus gehende Größe ist Grundsteuer zu zahlen.

Τ.Α.Π = Τέλος Ακίνητης Περιουσίας (Kommunale Immobiliengebühr)

Mit der kommunalen Immobiliengebühr wird derjenige belastet, der am 1. Januar eines Jahres Eigentümer einer Immobilie ist. Die Höhe der Gebühr wird nach der Formel

Fläche x Gebührenhöhe der Zone x Altersschlüssel x Schlüssel der kommunalen Immobiliengebühr

berechnet. Im Regelfall wird die Gebühr über die Stromrechnung geltend gemacht. Bei nicht an das Stromnetz angeschlossenen Immobilien ist eine Anmeldung bei der Gemeinde erforderlich, Eigentumstitel und Plan sind der Anmeldung beizufügen. Die kommunale Immobiliengebühr ist bei unterlassener Anmeldung für den Zeitraum von bis zu fünf Jahren rückwirkend zu zahlen, zuzüglich einer Erhöhung von 200% wegen Nichtmeldung.

Τέλη καθαριότητας και φωτισμού, ΤΚΦ (Strassenreinigungs- und Beleuchtungsgebühr)

Bei der Straßenreinigungs- und Beleuchtungsgebühr handelt es sich um eine weitere kommunale Gebühr, die in den Gemeinden unterschiedlich festgesetzt wird.

Im Jahr 2009 sind beispielsweise in Athen 1,65 EUR pro Quadratmeter für Wohnimmobilien und 6,50 EUR pro Quadratmeter für gewerblich genutzte Immobilien festgesetzt worden, in Thessaloniki entsprechend zwischen 1,55 EUR und 3,40 EUR. Hier sind in der jeweiligen Gemeinde im Einzelfall eine Vielzahl von Sonderregelungen, beispielsweise für Bankgebäude oder nicht bebaute Flächen oder auch Befreiungen für kinderreiche Familien zu beachten.

Einkommenssteuer (φόρος εισοδήματος) auf Mieteinnahmen

Auf Mieteinnahmen ist in Griechenland Einkommenssteuer zu zahlen. Mietverträge müssen innerhalb von 30 Tagen ab Abschluss dem zuständigen Finanzamt zur Beglaubigung (Θεώρηση) vorgelegt werden. Mietverträge mit einer Vertragsdauer von über 9 Jahren müssen im Hypothekenamt eingetragen werden.

Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung

Das am 18.04.1966 zwischen dem Königreich Griechenland und der Bundesrepublik Deutschland geschlossene Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung sieht in Art. XIII Abs. 1 vor, dass Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen dort versteuert werden können, wo das Vermögen liegt. Sollte also die Vermietung einer zu erwerbenden Immobilie geplant sein, ist zu berücksichtigen, dass die Einkommenssteuer wegen dieser Mieteinnahmen in Griechenland zu zahlen ist und wegen des vorgenannten Abkommens Mieteinnahmen in Deutschland nicht erneut als Einkommen versteuert werden müssen. Dennoch können Mieteinnahmen aus Griechenland trotz dortiger Versteuerung dazu führen, dass sich der Einkommenssteuertarif in Deutschland ändert (Art. XVII Abs. 2 Nr. 1 des Abkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung).

Steuern bei weiterer Übertragung der Immobilie

Je nach Art der weiteren Übertragung des Eigentums oder dinglichen Rechts (Vererbung, Schenkung, entgeltliche Veräußerung) können die vorgenannten Steuern und Gebühren bzw. Erbschaftssteuer anfallen.

Im Einzelfall sollte der Immobilienerwerb abhängig vom  Investitionsvorhaben, der geplanten Nutzung und der Finanzierung auf die steuerlichen Regelungen abgestimmt werden.

Beschränkungen des Immobilienerwerbs

Prüfung des Eigentumstitels, Recherche im Hypothekenamt

Ist eine Immobilie gefunden, muss vor dem Abschluß des Kaufvertrags überprüft werden, ob vom fraglichen Verkäufer überhaupt wirksam lastenfreies Eigentum erworben werden kann. Dieser Schritt wird "Prüfung des Eigentumstitels", "Recherche im Hypothekenamt " oder in der griechischen Sprache die "Έρευνα τίτλων στο Υποθηκοφυλάκειο" genannt. Diese Prüfung ist dem deutschen Rechtssystem fremd. Mandanten, die mit dem deutschen Verfahren der Eigentumsübertragung vertraut sind, verwechseln diese Prüfung gerne mit der Einsichtnahme im deutschen Grundbuch. Damit bestehen aber rechtlich und praktisch kaum Gemeinsamkeiten.

 

Beantragung einer Steuernummer in Griechenland

Bei positivem Ergebnis der vorgenannten Prüfung ist im nächsten Schritt eine Steuernummer in Griechenland zu beantragen, sofern eine solche noch nicht besteht. Hierbei ist zu beachten, dass bei schon bestehender Steuernummer der Erwerb einer weiteren Steuernummer strafbar ist. Der Antrag ist bei dem für den Wohnsitz des Antragstellers zuständigen Finanzamt zu stellen. Sollte kein Wohnsitz in Griechenland bestehen, ist der Antrag bei dem in diesem Fall zuständigen Finanzamt für Personen mit Wohnsitz im Ausland zu stellen (in Thessaloniki ist dies das 9. Finanzamt, Θ΄Δ.Ο.Υ., weitere gerne auf Anfrage). Die Beantragung der Steuernummer kann durch einen bevollmächtigten Vertreter erledigt werden, entsprechende Vollmachts- und Antragsformulare sind im Servicebereich dieser Seite in deutscher und griechischer Sprache abrufbar.

 

Der Kaufvertrag und weitere Voraussetzungen des Eigentumserwerbs

Der wirksame Eigentumserwerb setzt nach griechischem Recht zunächst voraus, dass zwischen Erwerber und verfügungsberechtigtem Veräußerer eine wirksame schuldrechtliche Einigung (Kauf, Schenkung, Tausch) und eine dingliche Einigung über den Übergang des Eigentums getroffen werden. Beide Rechtsgeschäfte müssen notariell beurkundet werden.

Vorvertrag und Sicherungshypothek zu Gunsten des Käufers

Die im deutschen Recht übliche Vormerkung nach §§ 883 f. BGB zur Sicherung des Anspruchs auf Übertragung eines dinglichen Rechts gibt es im griechischen Recht nicht. Stattdessen wird der Anspruch des Käufers auf Eigentumsübertragung entweder durch eine Sicherungshypothek oder durch einen Vorvertrag gesichert.

Möglich sind auch Kombinationen aus Vorvertrag mit Vollmacht zum Selbstkontrahieren und Sicherungshypothek.

Die aus dem deutschen Recht bekannte Grundschuld gibt es im griechischen Recht nicht.

Auflösend bedingte Übereignung und Kaufpreishypothek zu Gunsten des Verkäufers

Oft besteht gar kein Bedürfnis zur Sicherung des Kaufpreisanspruches, weil der Kaufpreis direkt bei Beurkundung des Kaufvertrags im Notariat bezahlt wird. In diesem Fall ist ein Quittungsvermerk in den Vertrag aufzunehmen.

Kosten für Notar, Anwalt, Makler und Hypothekenamt

Die Erwerbskosten für Immobilien in Griechenland bestehen im Wesentlichen aus Notar-, Anwalts-, Eintragungs- und ggf. Maklerkosten.

Am Beispiel eines maßgeblichen Immobilienwerts von 300.000,- EUR ist also für Notar-, Anwalts- und Grundbuchkosten mit einer Gesamtbelastung von wenigstens 6.583,69 EUR zu rechnen (wobei hierin die Anwaltskosten beider Parteien enthalten sind). Hinzu kommen gegebenenfalls nach den vorausgegangenen Ausführungen anfallende Steuern und eventuell ein gesondert vereinbartes Anwaltshonorar und Maklerkosten.

Kosten im europäischen Vergleich

Unter Berücksichtigung des Umstands, dass der Notar in Griechenland anders als in Deutschland keine umfassende Prüfungs- und Hinweispflicht hat und angesichts des Umstands, dass Rechtsanwälte in Griechenland nur sehr eingeschränkt gegenüber ihren Mandanten haften, sind die anfallenden Gebühren unverhältnismäßig hoch.

Offensichtlich wird die sachlich kaum zu rechtfertigende Höhe der Notar- und Anwaltskosten auch in einer von der Europäischen Kommission (Generaldirektion Wettbewerb) in Auftrag gegebenen Studie des Zentrums für Europäische Rechtspolitik an der Universität Bremen, aus welcher hervorgeht, dass die entsprechenden Kosten in Griechenland mit Abstand die höchsten in allen EU Ländern sind, wobei etwa anfallende Steuern in den folgenden Beträgen nicht berücksichtigt sind:

Die einzigen Mitgliedsländer der EU, in welchen für den Kauf einer Immobilie zwingend zwei Anwälte und ein Notar kostenproduzierend beteiligt sein müssen, sind Griechenland und Ungarn. In allen anderen Ländern bestehen weniger aufwändige und kostengünstigere Verfahren.


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