Erbschaftssteuer in Griechenland (Stand: 03/2009)

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Die in Griechenland anfallende Erbschaftssteuer wurde mit der letzten Reform durch das Gesetz 3634/2008 (ΦΕΚ Α 9, 29. 1. 2008) erheblich reduziert. Geändert wurden unter anderem die im Gesetz 2961/2001 ("Gesetz über die Besteuerung von Erbschaften, Schenkungen, Elternschenkungen, Mitgiftschenkungen und der Lotteriegewinne") geregelten Steuersätze, Freibeträge und Ausnahmetatbestände.

In Griechenland sind für die Höhe der Erbschaftssteuer grundsätzlich das Verwandschaftsverhältnis zwischen Erbe und Erblasser, der Wert des Erbes und die Art des Vermögens (Immobilien, Aktien, Barvermögen etc.) maßgeblich.

Im Fall des Erwerbs einer Immobilie im Wege der Erbfolge ist für den Anfall und die Höhe der Erbschaftssteuer auch von Bedeutung, ob es sich bei der Immobilie um sogenanntes erstes Wohneigentum des Erwerbers handelt, dieses ist unter bestimmten Voraussetzungen von der Erbschaftssteuer befreit.

Für die Bestimmung der Erbschaftssteuer werden die Erben nach ihrem Verwandschaftsverhältnis zum Erblasser in drei Kategorien (A, B und C) mit jeweils unterschiedlichen Freibeträgen und Steuersätzen und abhängig von der Art des Vermögens eingeteilt:

 

Kategorie A

Der Kategorie A zuzuordnen sind

a) der Ehegatte des Erblassers,
b) die Verwandten in gerader absteigender Linie ersten Grades des Erblassers, (eheliche Kinder gegenüber den Eltern, uneheliche Kinder gegenüber der Mutter, uneheliche anerkannte Kinder gegenüber dem Vater etc.),
c) die Blutsverwandten in gerader absteigender Linie zweiten Grades des Erblassers (Enkel),
d) die Verwandten in gerader aufsteigender Linie ersten Grades des Erblassers (Eltern).

Für diese gilt:

 

Stufe (%)

Steuersatz (%)

für Immobilien

Freibetrag

0-95.000*

0

 

ab 95.000

1,0 %

für börsennotierte Wertpapiere, öffentliche Anleihen etc.

ein ggf. nicht aufgebrauchter Freibetrag wird angerechnet

0,6 %

für nicht börsennotierte Wertpapiere, Beteiligungen an Unternehmen etc.

ein ggf. nicht aufgebrauchter Freibetrag wird angerechnet

1,2 %

sonstige Vermögenswerte
(Geld etc.)

ein ggf. nicht aufgebrauchter Freibetrag wird angerechnet

10,0 %

 * alle Werte in EUR

In Worten: Bis zu einem Wert von 95.000,- EUR fällt in Griechenland in der Kategorie A keine Erbschaftssteuer an, wenn eine Immobilie oder ein dingliches Recht hieran vererbt wird. Ab einem Wert von 95.000 EUR fällt 1% Erbschaftssteuer an. Sofern der Wert einer Immobilie geringer ist, als der Freibetrag von 95.000,- EUR, bleibt die Differenz als Freibetrag erhalten und wird als solcher entsprechend auf den Wert des in der tabellarischen Darstellung folgenden Vermögens angerechnet. Dieses weitere Vermögen wird entsprechend seiner Art mit 0,6 %, 1,2 % oder mit 10 % besteuert.

 

Kategorie B

Der Kategorie B zuzuordnen sind

a) die Verwandten in gerader absteigender Linie dritten oder höheren Grades des Erblassers (Urenkel),
b) die Verwandten in gerader aufsteigender Linie zweiten oder höheren Grades des Erblassers (Großeltern),
c) die anerkannten Kinder des anerkennenden Vaters, wenn Erblasser ein Verwandter des Vaters in gerader aufsteigender Linie ist,
d) die Verwandten in gerader absteigender Linie des Anerkannten, wenn Erblasser der Anerkennende oder einer seiner Verwandten in gerader aufsteigender Linie ist,
e) die Geschwister (vollbürtige oder halbbürtige) des Erblassers,
f) die Blutsverwandten dritten Grades in der Seitenlinie,
g) der Stiefvaters oder die Stiefmutter,
h) die Kinder aus früherer Ehe des Ehepartners des Erblassers (Stiefkinder),
i) die Schwiegersöhne oder Schwiegertöchter des Erblassers,
j) Schwiegervater oder Schwiegermutter des Erblassers.

Für diese gilt:

Stufe (%)

Steuersatz (%)

für Immobilien

Freibetrag

0-20.000*

0

 

ab 20.000

1,0 %

für börsennotierte Wertpapiere, öffentliche Anleihen etc.

ein ggf. nicht aufgebrauchter Freibetrag wird angerechnet

1,2 %

für nicht börsennotierte Wertpapiere, Beteiligungen an Unternehmen etc.

ein ggf. nicht aufgebrauchter Freibetrag wird angerechnet

2,4 %

sonstige Vermögenswerte
(Geld etc.)

ein ggf. nicht aufgebrauchter Freibetrag wird angerechnet

10,0 %

* alle Werte in EUR

In Worten: Bis zu einem Wert von 20.000,- EUR fällt in Griechenland in der Kategorie B keine Erbschaftssteuer an, wenn eine Immobilie oder ein dingliches Recht hieran vererbt wird. Ab einem Wert von 20.000 EUR fällt 1% Erbschaftssteuer an. Sofern der Wert einer Immobilie geringer ist als der Freibetrag von 20.000,- EUR, bleibt die Differenz als Freibetrag erhalten und wird als solcher entsprechend auf den Wert des in der tabellarischen Darstellung folgenden Vermögens angerechnet. Dieses weitere Vermögen wird entsprechend seiner Art mit 1,2 %, 2,4 % oder mit 10 % besteuert.

 

Kategorie C

Erbschaftssteuer, die auf ein Erbe oder Vermächtnis erhoben wird, das einem anderen Verwandten oder einer nicht zum Erblasser verwandten Person anfällt:

Steuerstufe *

Steuersatz

Steuerbetrag 

Vermögen

Steuerschuld

6.000

0 %

0

6000

0

66.000

20 %

13.200

72.000

13.200

195.000

30 %

58.500

267.000

71.700

darüber

40 %




* alle Werte in EUR

 

Freibetrag von 300.000,- EUR für Ehegatten und minderjährige Kinder

Unabhängig von der Art des Vermögens ist in Art. 25 f des Gesetzes 2961/2001 bestimmt, dass jedwedes Vermögen bis zu einem Wert von 300.000,- EUR nicht der Erbschaftssteuer unterfällt, wenn es dem Ehegatten oder dem minderjährigen Kind des Erblassers zukommt. Dieser Freibetrag besteht für jeden Berechtigten in voller Höhe. Voraussetzung für die Befreiung des Ehegatten ist, dass die Ehe wenigstens 5 Jahre vor dem Erbfall bestand.

Art. 25 f des Gesetzes 2961/2001 wurde durch Art. 12 des Gesetzes 3091/2002 hinzugefügt und gilt für Erbfälle ab dem 01.01.2003.

Zusammentreffen des Freibetrags bis 95.000,- EUR der Kategorie A und des Freibetrags von 300.000,- EUR

Eine klarstellende Regelung darüber, wie die Finanzbehörden zu verfahren haben, wenn die Voraussetzungen für den Freibetrag der Kategorie A bis 95.000,- EUR und die Voraussetzungen für den Freibetrag von 300.000,- EUR zusammentreffen, enthält das Gesetz nicht.

Die unsystematische Gewährung eines Freibetrags nach Kategorie A bis 95.000,- EUR (begründet durch das enge Verwandschaftsverhältnis) und die weitere Normierung eines Freibetrags bis 300.000,- EUR (wiederum begründet durch das enge Verwandschaftsverhältnis) und der darin liegende Widerspruch wurde in der Vergangenheit von den Finanzbehörden kurzerhand dahin aufgelöst, dass beide Freibeträge addiert gewährt wurden. So wurde bereits unter der Geltung des alten Erbschaftssteuerrechts verfahren. Gleichzeitig erfolgte mit der Reform des Erbschaftssteuerrechts durch das Gesetz 3634/2008 (29. 1. 2008) insofern keine Klarstellung, so dass anzunehmen ist, dass die Finanzbehörden auch in Zukunft entsprechend verfahren werden.

Für Ehegatten und minderjährige Kinder kann daher jeweils von einem Freibetrag in Höhe von 395.000,- EUR ausgegangen weren.

Befreiung von der Erbschaftssteuer im Fall des Erwerbs sogenannten ersten Wohneigentums (Απαλλαγή πρώτης κατοικίας)

Wenn der Ehegatte oder ein Kind des Erblassers eine Immobilie oder Bauland von Todes wegen erwirbt, kommt hierfür eine vollständige Befreiung von der Erbschaftssteuer nach Art. 26 des Gesetzes 2961/2001 (zuletzt geändert durch Art. 1 des Gesetzes 3634/2008) in Betracht.

Die Befreiung setzt unter anderem voraus, dass der Erwerber oder dessen minderjährige Kinder weder Eigentümer noch Nießbrauchsberechtigte einer Wohnimmobilie sind, die die Wohnbedürfnisse des Erwerbers und seiner Familie erfüllt. In gleicher Weise darf kein Bauland in einer Gemeinde mit wenigstens 3000 Einwohnern vorhanden sein, auf welchem eine die Wohnbedürfnisse befriedigende Immobilie errichtet werden könnte.

Die Befreiung kann für eine Immobilie von bis zu 200 m2 gewährt werden. Für jedes dritte und weitere minderjährige Kind, für welches der Erwerber das Sorgerecht innehat, kann sich diese Größe um 25 m2 erhöhen.

Die Befreiung wird nur unter der Voraussetzung gewährt, dass die Immobilie mindestens für einen Zeitraum von 5 Jahren im Eigentum des Erwerbers verbleibt. Die Belastung mit einer Hypothek ist jedoch zulässig.

Im einzelnen sind eine Vielzahl weiterer Voraussetzungen und Sonderregelungen zu beachten. In jedem Fall wird die Befreiung nur gewährt, wenn sie ausdrücklich beantragt wird. Auch in die Erbschaftsannahmeerklärung ist die fünfjährige Verfügungsbeschränkung aufzunehmen.


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